Über 100 Jahre St. Kilian

1901
Am 31. Dezember 1901 wurde Böckingen zu einem selbstständigen Seelsorgebezirk erhoben mit den Filialorten Frankenbach, Klingenberg, Nordheim und Nordhausen.

1902
Am 1. Januar 1902 wurde in Böckingen nach fast vierhundert Jahren wieder die erste Heilige Messe gelesen, und zwar im Saal des neuen Schulhauses, das für vier katholische Klassen gebaut worden war. Heute dient es als Gemeindehaus. Der erste Pfarrverweser war Kaplan Max Gauß, später Studienrat und Landtagsabgeordneter in Heilbronn.

Die nach den Plänen von Regierungsbaumeister Raisch aus Stuttgart durch die Böckinger Baufirma Aichele und Schiffer gebaute Kirche wurde am Dienstag, 14. Oktober 1902 durch Bischof Keppler geweiht. Das Baugelände war im Jahre 1900 von der königlichen Domänendirektion für 10.000 Mark gekauft worden; der Kirchbau selbst kostete 100.000 Mark.

1906
1906, ebenfalls im Oktober, konnte das neue Pfarrhaus bezogen werden, durch Baurat Tscherning mit einem Kostenaufwand von 18.000 Mark gebaut. Hier war die treibende Kraft der zweite Seelsorger der Gemeinde, (1903-1907) Pfarrverweser Max Notz aus Cannstatt. Es hat sich in Böckingen besonders um die Pflege des kirchlichen und weltlichen Gesangs und des Vereinslebens verdient gemacht.

Sein Nachfolger war Anton Bundschu aus Neuhausen auf den Fildern, von 1907 bis 1924 in Böckingen; während seiner Amtszeit wurde die hiesige Seelsorgestelle zur ständigen Pfarrei erhoben.

Die Gemeinde war inzwischen auf 1.000 Seelen angewachsen. Sie bestand nach einem damaligen Bericht ...vor allem aus Arbeitern, Eisenbahnern und Hausierern. Letzteres wirkte sich auf den Schulbetrieb nachteilig aus, da viele Kinder oft mit den Eltern unterwegs waren oder es auch sonst mit der Schulpflicht nicht ganz so ernst nahmen. Die freiwillige Konfessionsschule, am 1. Januar 1902 ins Leben gerufen, wurde bis 1. Oktober 1905 von der Kirchenpflege getragen, dann von der weltlichen Gemeinde übernommen. Am 1. August 1913 zog dann die katholische Konfessionsschule in das neuerbaute Alleenschulhaus (heute Grünewaldschule) ein.

Im Januar 1906 hatte Pfarrverweser Notz den „Charitas“-Verein ins Leben gerufen, der im November desselben Jahres die ersten zwei Barmherzigen Schwestern aus Untermarchtal zur Krankenpflege berief. Zu diesen kam 1910 eine dritte und einige Jahre später eine vierte Schwester. Sie bezogen im Frühjahr 1914 das freigewordene Schulhaus, nach noch einen Anbau als Jugendheim erhalten hatte.

Die Sorge für die vielen Armen und Arbeitslosen der Gemeinde lag dem Seelsorger, Pfarrer Bundschu, besonders am Herzen.

In den zwanziger Jahren
Bei der Investitur von Stadtpfarrer Julius Rieger aus Donzdorf im Jahr 1924 zeugte das Auftreten von Kirchenchor, Frauenverein und katholischer Jugend von einem regen Vereinsleben in der Gemeinde. Dies hat Pfarrer Rieger weiter ausgebaut und tatkräftig gefördert. Unter seiner Leitung erlebte der Gesellenverein seine Blüte.

1930
Auch bei der Ausstattung der St. Kilianskirche hat sich Stadtpfarrer Rieger große Verdienste erworben: Die (später entfernten) Chorstühle, die Krippe, der Umbau der Orgelempore und die Erneuerung der Orgel, die Anschaffung der Männer- und Kolpingfahne, die Kriegergedächtniskapelle, Renovierung und Ausmalung der Kirche 1930 waren sein Werk. Er hat es verstanden, für all diese Dinge Begeisterung zu wecken und Geldquellen sogar in Amerika zu erschließen. Es war darum ein herber Abschied, als er am 26. Oktober 1930 nach sechsjähriger Tätigkeit Böckingen verließ, um die Stadtpfarrstelle Waldsee anzutreten, wo er später Dekan wurde.

Kunstmaler A. Schenk aus Schwäbisch Gmünd hat in den Monaten Juli bis September 1930 der Kirche ein neues Gewand gegeben. Bei der Farbgebung ging er davon aus, dem schwerlastenden romanischen Kirchenraum das Gedrückte und Enge zu nehmen und im Chorbild eine ständige wesenhafte christliche Verkündigung zu schaffen. Der Hl. Vater Pius XI. hatte ja im Hl. Jahr 1925 das Christkönigsfest eingesetzt. So setzte der Maler in den Mittelpunkt der Kirche das Bild des Christkönigs, aus dem Gold der Apsis in lichter Verklärung und ruhender Majestät hervortretend, thronend auf dem Regenbogen des Friedens. Die Schäflein, die auf die vier Ströme lebendigen Wassers zueilen, um sich zu laben, sind Sinnbild der gottsuchenden Seelen. Zu Häupten des Königs breitete der Hl. Geist seine Schwingen und lenkte den Blick der Gläubigen auf Gott Vater, der an der Chorstirnwand aus den Wolken hervortrat. Aus seinem Himmel leuchteten dem Beter Sankt Kilian, der Kirchenpatron und erste Glaubensbote des Frankenlandes. St. Petrus Canisius, der zweite Apostel Deutschlands, der jugendliche Pankratius, Patron der vorreformatorischen Pfarrkirche, die hl. Elisabeth, St. Theresia vom Kinde Jesu und St. Agnes als Vorbilder wahrer Gottes- und Nächstenliebe entgegen. Die Andacht der betenden Engel mahnte: Hier ist Gottes Haus und des Himmels Pforte.

Eine Innenaufnahme der Kirche von der Fronleichnamsfeier des Jahres 1949 vermittelt uns den Eindruck, den unser Gotteshaus damals dem Betrachter bot. Die heutige Nostalgiewelle bewirkt sicherlich bei vielen von uns ein neues Verständnis für die Geschmacksrichtung früherer Jahrzehnte, als man noch durch eine Fülle bildlicher Darstellungen Anregungen für Phantasie und Gemüt zu bieten bestrebt war. Es sei ergänzt, was auf dem Foto nicht zu erkennen ist: der Hochaltar mit dem Expositionsthron und den beiden Reliefs von der Predigt und dem Martyrium des Hl. Kilian und seiner Gefährten Colonat und Totnan und dem Tabernakel mit der Aufschrift „Gott ist die Liebe“, der Marienaltar mit seiner schlichten Marienfigur und der Josefsaltar mit einem Relief von der Hl. Familie.

Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg
Am 16. November 1930 wurde Stadtpfarrer Josef Eble aus Waldmössingen investiert. Ihm wurde die schwere Aufgabe zuteil, die Pfarrei in den stürmischen Zeiten des Nationalsozialismus zu führen. Er musste die Auflösung der Katholischen Konfessionsschule und aller kirchlichen Vereine und die Behinderung der Seelsorge auf allen Seiten erleben. Besonders schmerzlich traf ihn die Auflösung der Deutschen Jugendkraft und die Stilllegung des Vereinshauses am See. Dieses war unter großen Opfern von der Sportabteilung des Gesellenvereins gebaut und am 21. Juni 1931 feierlich eingeweiht worden. Dieser für die Jugend und die Heilbronner Katholiken ideale Platz sah bei der Einweihung 1500 Teilnehmer und versprach der gesellschaftliche Mittelpunkt der Pfarrgemeinde zu werden. Doch die Auflösung der DJK und die Schließung des Hauses machte all diese Zukunftspläne zunichte. Der Verein wurde als staatsfeindlich aufgelöst und von der Partei in Beschlag genommen. Im Frühjahr 1944 wurde das Haus ein Opfer des Bombenkrieges und der Plünderung.

1934
Eine Eucharistische Woche vom 6.bis 10. März 1934 brachte einen erfreulichen Aufschwung des sakramentalen Lebens in der Gemeinde.

Die Seelenzahl war inzwischen auf über 2.000 angewachsen, so dass am 14. September 1939 für Böckingen ein eigener Vikar ernannt wurde. Franz Sailer aus Reutlingen musste die Pfarrei aber bald allein versehen, weil Stadtpfarrer Eble am 19. November 1939 in der Pfarrei Taldorf bei Ravensburg investiert wurde, und schließlich selbst die Pfarrei verlassen, weil durch den Kriegsdienst vieler junger Geistlicher ein empfindlicher Priestermangel in der Diözese entstand.

1939
Am 9. und 10. Dezember 1939 wurde Pfarrer Heinz Röhrle aus Spaichingen in sein neues Amt eingeführt. Ihn traf das schwere Los, das Schiff der Pfarrei durch die Kriegs- und Nachkriegszeit zu steuern, die zwar neuen Aufschwung, dann aber auch wieder starke Lähmungen brachte. Am Tag seiner Investitur war die Gemeinde zum letzten Mal in Gecks Saalbau versammelt, der auch ein Opfer des Krieges wurde. Im Luftkrieg wurden alle Fenster der Kirche zertrümmert und das ganze Dach der Kirche abgedeckt, das vor einem drohenden Brand nur durch das rasche und beherzte Eingreifen der ehrwürdigen Schwestern gerettet werden konnte. Die ganze Gemeinde mit dem Seelsorger an der Spitze halb zusammen, bei Schnee das Dach wieder zu decken, während die letzten neuen Fenster erst im Frühjahr 1951 wieder eingesetzt werden konnten.

In der Nachkriegszeit
Am 3. Juni 1945 fand „unter dem Schutz der Amerikaner“ die erste Fronleichnamsprozession im Freien statt. Das Gotteshaus konnte die Besucher kaum aufnehmen! Und am Heiligen Abend 1945 sang der Kirchenchor auf Wunsch der amerikanischen Besatzungstruppe bei der Christmette die Filger-Messe. Zum Symbol des Wiederaufbaus wurde die 2,5m hohe Kiliansstatue von Bildhauer Eisele aus Stuttgart, 22 Zentner schwer und aus Crailsheimer Muschelkalk gefertigt, die 1946 an der Kirche über dem Hauptportal angebracht wurde. Das Kriegsende brachte neue große Not nach Böckingen durch das riesige Kriegsgefangenenlager auf der Trappenhöhe, dort wo sich heute das Wohngebiet Schanz erstreckt. Pater Planeta S.J. aus Wien nahm sich der Gefangenen an, feierte bei ihnen Gottesdienst, besorgte ihnen Lebensmittel und brachte über 5.000 Gefangenen zur Entlassung.

Durch seine guten Verbindungen und seinen unermüdlichen Einsatz half Pater Planeta aber nicht nur den Gefangenen, sondern auch den Glaubensbrüdern in der Pfarrei Böckingen, die das Standquartier seiner Aktivitäten bildete. Im verdankt die Gemeinde die Erweiterung des Schwesternhauses und den Neubau des Gemeindesaales, des alten Kindergartens und der Gasträume, errichtet nach den Plänen des Architekten Hans Eggert aus unserer Pfarrgemeinde. Jugend und Alter haben einmütig an diesem Werk geschaffen, das allerdings zunächst nur im Rohbau fertiggestellt werden konnte, bis zur Währungsreform 1948. Erst dann wurde das Weiterbauen möglich, und im Dezember 1948 konnte das ganze Gemeindehaus benutzt werden, das seither manch schöne Gemeindefeier gesehen hat.

Die Heilbronner Katholiken, die alle ihre Kirchen im Krieg verloren hatten, fanden in der St. Kilianskirche in Böckingen Zuflucht, ebenso aber auch die vielen Heimatvertriebenen aus den östlichen Ländern. Durch ihr Hereinströmen war die Gemeinde auf über 3.000 Seelen angewachsen. Als am 7. Oktober 1945 Pater Planeta endgültig Abschied nahm, kam im Januar 1947 als Ersatz der Flüchtlingsseelsorger Pfarrer Fleißner aus der Diözese Emsland. Ihm oblag es, die zerstreute Herde, vor allem in den Filialen, zu sammeln und in der Pfarrkirche und in der Schule Stadtpfarrer Röhrle zu unterstützen. Trotz seiner sehr labilen Gesundheit tat er diesen Dienst bis zum Dezember 1949. Seine Tätigkeiten übernahm der ebensfalls heimatvertriebene Pfarrer Reinhold Hanreich aus der Diözese Prag.

1949
Am 8. Mai 1949 wurde zum ersten Mal nach dem Krieg in der Kilianskirche das heilige Sakrament der Firmung gespendet, und zwar durch den Hochwürdigsten Weihbischof Carl Josef Leiprecht. Über 400 Firmlinge und 900 Besucher waren an diesem Tag in der Kirche.

Im Jahr 1949 wurde auch die Arbeit des früheren Gesellenvereins unter dem Namen Kolpingfamilie wieder aufgenommen. Gleichzeitig wurde der Kolpingchor gegründet. Dirigent war Rektor Krach.

In den fünfziger und sechziger Jahren
Nach 10-jähriger Tätigkeit verließ Stadtpfarrer Röhrle die Pfarrei am 13. Februar 1950, um die Gemeinde Stuttgart-Kaltental zu übernehmen. Die ganze Last der Seelsorge lag nun auf den Schultern von Pfarrer Hanreich, bis am 14. Mai 1950 der neuernannte Stadtpfarrer Johannes Härle, geboren am 22.6.1913 in Freundenstadt, von Dekan Dietrich in sein Amt eingeführt wurde. Pfarrer Hanreich wirkte noch bis November 1951 in unserer Pfarrei.

1950
Vom 14. Mai 1950 bis zum 28. November 1955 sind die Geschicke unserer Pfarrgemeinde nun in die Hände des tatkräftigen Pfarrers Härle gelegt. 1951 wurden die letzten oberen Kirchenfenster eingesetzt. Im August 1951 wurde der neu hergerichtete Sportplatz unten am „See“ auf der „Viehweide“ eingeweiht, kurz darauf mit dem Wiederaufbaus des Sportheims begonnen. Von November 1951 bis August 1952 wirkte Vikar Groß als Nachfolger von Pfarrer Hanreich in der Gemeinde. Fronleichnam des Jahres 1952 wurde in Böckingen zum ersten Mal seit der Reformation wieder eine öffentliche Fronleichnamsprozession unter großer würdiger Beteiligung der Gläubigen durchgeführt. Im November des gleichen Jahres erfolgte der Einbau einer elektrischen Kirchenheizung. Im gleichen Monat wurde Vikar Johannes Fischer (der Onkel von Richard Fischer, von 1969-1972 Vikar in Böckingen und später Pfarrer in Heilbronn-Kirchhausen) nach Böckingen versetzt, wo er sich bis zum 21.11.1953 mit großem Eifer und schönem Erfolg der Jugend, vorab der Sportjugend angenommen hat.

1952
Nachdem am 12. Oktober 1952 das goldene Kirchenjubiläum die alten Seelsorger in dankbarer Rückschau in unserer Pfarrgemeinde versammelt hatte, wurde am 2. Weihnachtstag des gleichen Jahres der Grundstein zur ersten Filialkirche, der Marienkirche in Nordheim gelegt. Im Oktober 1953 wurde ein zweiter Kirchenbau in Angriff genommen: Die Heilig-Kreuz-Kirche im Kreuzgrund.

1955
Am 18. Dezember 1955 bei strömendem Regen und Schneegestöber wurde der neue Pfarrer, Karl Efinger aus Aixheim, in Böckingen eingeführt; er konnte damals gewiss noch nicht ahnen, dass er 22 Jahre seines Priesterwirkens dem steinigen Acker von Sankt Kilian widmen würde, die längste Zeit, die bisher je ein Pfarrer in unserer Gemeinde arbeitete. In seiner Amtszeit wuchs die Seelenzahl auf etwa das Doppelte an, da als Folge der günstigen Wirtschaftsentwicklung zahlreiche Neubaugebiete im Pfarrgebiet entstanden

1956
Am 31.5.1956 wurde in Nordheim zum ersten Mal unter großer Beteiligung wieder eine Fronleichnamsprozession gehalten.

1958
1958 wurde in Frankenbach ein Kirchbauverein gegründet und somit der Weg für den Bau einer Kirche in noch ungewisser Zukunft geebnet.

1960
Am 13. März 1960 durfte die Gemeinde nach 30 Jahren zum ersten Mal wieder eine Primiz feiern: Neupriester Erich Dorn. Zu dieser Primiz führte man eine erste Teilrenovierung der Kirche durch: Die Seitenaltäre wurden abgebaut, anstelle des Marienaltars eine sehr schöne spätgotische Madonna angebracht, anstelle des Familienaltars ein Josefbild der Familie Kucher. Im Sommer 1960 feierte der Böckinger Rudolf Baumgart in Sankt Kilian die zweite Primiz dieses Jahres.

1963
Die Renovierung der Sankt Kilianskirche
1963 war das Jahr des Zweiten Vatikanischen Konzils, in dessen Folge mannigfache liturgische Änderungen eingeführt wurden. Im Zusammenhang mit diesen liturgischen Erneuerungen wurden auch erste Überlegungen zur notwendig gewordenen Gesamtrenovierung der Sankt Kilianskirche angestellt. Durchgeführt wurde diese Renovierung dann von August 1964 bis Mai 1965, und zwar nach Plänen von Architekt Bauer und den künstlerischen Entwürfen von Margot Eberle aus Ulm. Eine neue Sakristei wurde angebaut und der Chor der Kirche neu gestaltet. Ein neuer Altar aus Muschelkalk ermöglicht seitdem dem Priester die Feier der heiligen Messe zum Volk hingewendet. Der rechte Nebenaltar, ebenfalls aus Muschelkalk , trägt nun den neuen Tabernakel mit dem Allerheiligsten. Der Ambo (Ersatz für die Kanzel), der Taufstein und ein neuer Gefallenengedenkstein stammen von der Künstlerin Margot Eberle. Die Kirchenfenster wurden von dem Glaskünstler DePonte aus Schwaigern entworfen. Der Säulenanstrich wurde entfernt und der Naturstein in seiner ursprünglichen Schönheit freigelegt; neue durchgehende Bänke aus Brasilkiefer wurden aufgestellt, wobei der Mittelgang entfiel und die Seitengänge breiter wurden. Der Kirchenbesucher hat nun einen freien, nicht durch Säulen gestörten Blick nach vorne zum Altar. Die vorhandenen Figuren und Bilder mit künstlerischem Wert wurden von der Firma Eckert in Bad Mergentheim restauriert: Die spätgotische Madonna, das Ölgemälde des Heiligen Josef, der barocke Auferstehungschristus, Johannes der Täufer vom alten Taufstein, das Kreuzigungsbild, welches auf der Kirchenbühne gefunden wurde. Bei den Außenarbeiten unter der Leitung von Architekt Eggert wurden die Haupttreppe und die Auffahrt zum Pfarrhaus verbreitert.

1965
Am 8. Mai 1965 wurden die Erneuerungsarbeiten gekrönt mit der feierlichen Weihe des neues Hauptaltars durch Weihbischof Wilhelm Sedlmaier. Reliquien der heiligen Märtyrer Clarus und Bonosa wurden nach altem Brauch im Hauptaltar eingemauert. Zeitlich abgestimmt war die Renovierung der Kirche auf zwei erwartete Primizen. Im neu gestalteten Gotteshaus feierte am 25. Juli 1965 der Priester Rolf Hahn, ein sehr aktives Mitglied der Verbände unserer Gemeinde, seine Primiz, und am 1.August 1965 der Pallotinerpater Roland Geßwein sein erstes feierliches Messopfer in der Heimatkirche.

Weitere bauerhaltende Arbeiten wurden in den achtziger Jahren durchgeführt: im Jahr 1982 fand eine Renovierung des Kirchturmes der Sankt Kilianskirche statt, die schon seit Jahren fällig war und noch von Pfarrer Efinger in Auftrag gegeben worden war. Die Kugel und das Kreuz wurden ebenfalls renoviert und feuerlackiert. Noch im Herbst desselben Jahres erfolgte die Renovierung der Orgel durch die Orgelbaufirma Späth. Insgesamt verschluckte auch diese Renovierung 60.000 DM. Der Spieltisch der Orgel wurde umgedreht und nach vorne zur Brüstung der Empore gedreht.

In diesem Herbst rief Pfarrer Schreurs auch immer wieder zu Spenden für die notwendige Kirchenrenovierung von Sankt Kilian auf, wo vor allem das Mauerwerk trockengelegt werden musste. Die Renovierung des Gemeindehauses begann 1983; es wurde 1984 wieder eingeweiht. In den Herbstwochen 1988 wurde die Südseite der Kirche Sankt Kilian neu ausgefugt und gegen Feuchtigkeit versiegelt. 1989 erfolgte dann der Innenanstrich der Kirche.

Die Kirchengemeinde in den siebziger Jahren

1974
Der Neubau des Kindergartens Sankt Kilian mit Schwesternwohnung begann Anfang Dezember 1974 auf dem Grundstück Ludwigsburger Str. 76.

1975
Bei einem Sturm im Sommer 1975 entstand an der Kilianskirche ein Schaden von 53.000 DM: Alle Dachrinnen waren kaputt. Dann gingen in diesem Jahr auch noch die Glockenlager kaputt, aber Pfarrer Efinger ließ sich durch alle Widrigkeiten nicht aus dem Konzept bringen. Er war der Pfarrer, der unermüdlich Geld sammelte, begeisterte, bettelte und unserer Gemeinde sehr viele Bauaktivitäten möglich machte.

1976
So wurde 1976 auch eine neue Küche im Gemeindehaus eingebaut, in vielen unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden alter und junger Gemeindemitglieder, vor allem aus dem Kirchenchor und der Kolpingfamilie.

Im Jahr 1976 hatte die Gemeinde 9.000 Seelen und unterhielt vier Kindergärten mit insgesamt neun Gruppen.

1977
Der 14. Oktober 1977 war ein besonderer Höhepunkt für die Gemeinde; es wurde das 75-jährige Jubiläum der Pfarrkirche St. Kilian begangen. Die Festmesse wurde von Weihbischof Dr. Anton Heere gefeiert; dabei kam die Sankt Ulrichmesse von Jochum durch den Kirchenchor mit Orchesterbegleitung zur Aufführung. An das Mittagessen mit geladenen Gästen schloss sich die weltliche Feier im Bürgerhaus an.

Nachdem 1977 die große Diasporagemeinde Sankt Kilian, Heilbronn-Böckingen aus 9.000 Katholiken unter 36.000 Einwohnern bestand und organisatorisch im wesentlichen als konsolidiert betrachtet werden konnte, entschloss sich Pfarrer Efinger, seinen Dienst in Böckingen zu beenden. Am 22. November 1977 nahm er seinen Abschied und übernahm die Pfarrei Sankt Josef in Öhringen. Die Gemeinde sah ihn ungern scheiden und ist auch heute noch dankbar mit ihm verbunden.

Die Leitung der Gemeinde lag nun ganz in Händen von Vikar Josef Wührl, der in der Seelsorge von mehreren Priestern, die im Wechsel aus den Niederlanden in unsere Gemeinde kamen, unterstützt wurde. Es war eine schwierige Zeit für Seelsorger und die Gemeinde, es hatte aber auch gute Seiten: Viele Helfer im liturgischen Dienst ermöglichten, diese Zeit zu überwinden. Häufig wurde die sprachliche Unterstützung der oft nicht gut deutsch sprechenden Geistlichen während der Messfeiern notwendig, und immer wieder mussten Fahrdienste geleistet werden, um die Priester von Gottesdienst zu Gottesdienst in der weiträumigen Gemeinde zu fahren. Das Pfarrhaus wurde den neuen Erfordernissen entsprechend umgebaut.

1978
Nach sechs Monaten feierte die Gemeinde am 21. Mai 1978 die Investitur von Pfarrer Hendrik Schreurs, einem gebürtigen Belgier. Er hatte vorher die Pfarrstelle Sankt Michael in Heilbronn-Neckargartach geleitet und wurde vom Regionaldirektor Kopf aus Ludwigsburg in sein Amt eingeführt.

Pfarrer Schreurs fand schnell Zugang zur Gemeinde, aber Vikar Wührl übernahm im Mai 1979 die Pfarrei Burgberg im Dekanat Heidenheim, so dass auch Pfarrer Schreurs plötzlich auf sich allein gestellt war.

Anlässlich des Pastoralbesuches im Jahr 1977 wurde im Bericht an das Bischöfliche Ordinariat angemahnt, über den bereits 1974 gestellten Antrag auf Teilung der großen Gemeinde Sankt Kilian zu befinden. Durch die Schaffung von zwei Pfarreien erhoffte man sich die Anwesenheit von zwei Priestern. Außerdem war man der Meinung, dass für die Bewohner der Teilgemeinde Kreuzgrund/Schanz, Frankenbach und Hipfelhof ein örtlicher und personeller Bezugspunkt gebildet werden sollte. In der Sitzung des Kirchengemeinderates St. Kilian am 8. November 1979 wurde der Beschluss gefasst, der Erhebung der Teilgemeinde Kreuzgrund/Schanz zur selbstständigen Pfarrgemeinde zuzustimmen.

Die Kirchengemeinde Sankt Kilian
in den achtziger und neunziger Jahren

1980
Im Jahr 1980 beginnt die intensive Zusammenarbeit unserer Kirchengemeinde mit der italienischen Mission in Heilbronn.

Die achtziger Jahre sind allgemein geprägt von einem Rückgang der Kirchenbesuche und vermehrten Austritten aus den Kirchen.

1989
Pfarrer Schreurs geht 1989 nach 12 Jahren in unserer Gemeinde in den Ruhestand. Am 16. September 1990 wird sein Nachfolger Jesuitenpater Smiljan Mlikota im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes investiert.

Insgesamt stieg in den neunziger Jahren die Zahl der Gottesdienstbesucher wieder an; viele Gemeindemitglieder erklären sich bereit in der Gemeinde ehrenamtlich als Lektoren, Kommunionhelfer und Wortgottesdienstleiter mitzuarbeiten.

Der politische Umbruch nach 1989 wirkte sich auch auf die katholische Kirchengemeinde aus. Pater Mlikota litt unter den Wirren des schrecklichen Krieges in Jugoslawien, da er seine Eltern und die Familie nicht besuchen konnte. Er verließ im Sommer 1990 die Gemeinde.

1991
Es folgte eine schwierige pfarrerlose Zeit. Pfarrer Paul Zeller von der Heilig-Kreuz-Gemeinde übernahm die Aufgabe des Administrators. Ab 1. August 1991 wurde Ulrika Müller als nebenberufliche Katechetin angestellt. Sie widmete sich vor allem der Kinder- und Jugendarbeit, den jungen Familien und führte den Frauenwortgottesdienst ein. Seit Januar 1999 arbeitete sie hauptberuflich im Schuldienst, leitete den Frauenwortgottesdienst aber ehrenamtlich bis Sommer 2002 weiter.

1994
Die pfarrerlose Zeit endete mit der Investitur von Pfarrer Andreas Simon am 11. Dezember 1994.

1998
Große Aufgaben kommen auf unsere Gemeinde zu. So weist beispielsweise der Glockenturm größere Schäden auf und muss dringend restauriert werden. Ebenso muss das Geläute durch ein neues ersetzt werden. Die Finanzierung der Reparatur des Turmes ist gesichert. Durch ein gutes Angebot der Firma Bachert konnte ein Geläut mit vier Glocken in Auftrag gegeben werden. Am 1. März 1998 weihte Domkapitular Dr. Werner Groß die Glocken. Die alten Glocken werden dem Stadtmuseum Heilbronn zu Verfügung gestellt.

1998 erfolgte die Gründung des ökumenischen Arbeitskreises Böckingen. Die Mitglieder sind: Evangelische-methodistische Gemeinde, die evangelische Kirchengemeinden der Stadtkirche, Auferstehungskirche und Klingenberg sowie die katholischen Kirchengemeinden Sankt Kilian und Heilig Kreuz. Ein Resultat dieser Arbeit ist unter anderem der ökumenische Gottesdienst, der jährlich im Juni im Ziegeleipark stattfindet.

Ende des Jahres 1996 bis hinein in das Jahr 1999 kam es zu schwerwiegenden Querelen, die dazu führten, dass sich Pfarrer Simon eine neue Pfarrstelle suchte und 15 von 17 Kirchengemeinderäten zurücktragen. Pfarrer Simon wurde am 24. Januar 1999 in einem zum bersten gefüllten Gemeindesaal verabschiedet. Von den 15 zurückgetretenen Kirchengemeinderäte erklärten sich 9 bereit in einem Vertretungsgremium bis zur nächsten Kirchengemeinderatswahl zu arbeiten.

1999
Nach dem Weggang von Pfarrer Andreas Simon übernahm Pfarrer Elmar Morein von der Heilig-Kreuz-Gemeinde die Funktion des Administrators von Januar 1999 bis Juni 2000.

Mit Bildung der Seelsorgeeinheit Heilig Kreuz mit Sankt Johannes Frankenbach und Sankt Kilian mit Filialgemeinde Sankt Maria Nordheim und den Teilorten Klingenberg und Nordheim wird die Teilung der Gemeinde von 1980 wieder aufgehoben: Jede Kirchengemeinde hat ihren eigenen Kirchengemeinderat. Es gibt einen Gemeinsamen Ausschuss.

2002
Mit der Investitur von Pfarrer Siegbert Pappe am 29. 9. 2002 bekommt die Seelsorgeeinheit Heilig Kreuz und St. Kilian einen neuen Pfarrer. Er wird unterstützt vom pastoralen Mitarbeiter Pfarrer Ulrich Rudolf, von Diakon Klaus-Dieter Pape und von Pastoralreferentin Irene Anic.

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2009-11-21 last Update